LGBTQ+ Kultur: Was bedeuten Top & Bottom, Aktiv & Passiv wirklich?

In der LGBTQ+-Community — besonders unter schwulen und bisexuellen Männern — begegnen uns oft Begriffe wie Top, Bottom, Aktiv und Passiv. Für Außenstehende wirken diese Worte manchmal verwirrend oder klischeebehaftet. Doch wie so oft steckt mehr dahinter als reine Rollenbeschreibungen.

Top & Bottom – Was steckt dahinter?

Traditionell beschreiben Top und Bottom die bevorzugte Rolle beim Sex.
Doch in der modernen Queer-Community haben sich die Bedeutungen ausgeweitet:

BegriffBedeutung
TopÜbernimmt eher die aktivere, führende Rolle
BottomBevorzugt die empfänglichere, eher passivere Rolle
Vers (Versatile)Flexibel – übernimmt beide Rollen

Heute nutzen viele die Begriffe auch im übertragenen Sinne — etwa zur Beschreibung von Dynamiken in Beziehungen oder beim Dating („Er wirkt wie ein Top“ kann eine Energie oder Ausstrahlung meinen, nicht zwingend etwas Sexuelles).

Aktiv & Passiv – ähnliche Begriffe, anderer Kontext

Aktiv und passiv sind ältere Begriffe, die früher eher medizinisch oder klinisch geprägt waren. In der Community wurden sie häufig zur Beschreibung der sexuellen Rolle genutzt. Heute werden sie zunehmend von Top, Bottom, Vers abgelöst oder bewusst vermieden, weil einige sie als stigmatisierend empfinden.

Mehr als ein Label

Wichtig ist:
➡️ Diese Begriffe definieren keine Persönlichkeit.
➡️ Sie sagen nichts über Männlichkeit, Weiblichkeit, Stärke oder Wert aus.
➡️ Sie sind Privatsache – niemand muss sich labeln.

Die Realität der LGBTQ+-Community ist vielfältig: Menschen sind romantisch, emotional, verspielt, ernst, dominant, zärtlich, neugierig — und oft alles zugleich.

Warum Labels trotzdem hilfreich sein können

Labels können Orientierung geben, besonders in Online-Profilen oder beim Dating. Sie schaffen Klarheit, Erwartungen und Kommunikation. Und sie können empowern — wenn man sie selbst wählt und nicht von außen zugeschrieben bekommt.

Fazit: Vielfalt statt Schubladen

Top, Bottom, Vers, Aktiv, Passiv — all diese Begriffe können Identität ausdrücken, müssen es aber nicht.

Am Ende zählt Respekt, Kommunikation und Konsens.
Und die Erkenntnis: In einer Community, die jahrzehntelang für freie Liebe und Selbstbestimmung gekämpft hat, sollte niemand auf ein Wort reduziert werden.

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