
Weihnachten, Queerness & Zugehörigkeit: Ein Fest mit vielen Farben
Weihnachten ist für viele von uns ein Fest der Lichter, der Wärme, der Rituale. Aber für queere Menschen – für LGBTQ+-Menschen – fühlt sich diese Zeit manchmal auch widersprüchlich an.
Zwischen Familientraditionen, religiösen Geschichten und Erwartungen, „so zu sein wie immer“, bleibt oft wenig Raum für Vielfalt, neue Konstellationen und Identitäten, die nicht in alte Schablonen passen. Und doch: Weihnachten gehört auch uns. Mit all unseren Farben, unseren Geschichten, unseren Liebsten.
Wenn Weihnachten sich kompliziert anfühlt
Viele LGBTQ+-Menschen kennen Momente wie diese:
- das vorsichtige Abwägen: „Kann ich offen über meine Beziehung sprechen?“
- das stille Anspannen, wenn jemand unbedacht einen verletzenden Kommentar macht
- das Gefühl, irgendwie „anders“ am Tisch zu sitzen – selbst unter Menschen, die man liebt
Und für manche bedeutet Weihnachten sogar, gar nicht nach Hause zu fahren, weil es dort schlicht nicht sicher oder emotional gut wäre. Das ist real. Und es ist völlig okay, sich zu schützen.
Queere Realität ist vielfältig. Manchmal schmerzhaft. Manchmal befreiend. Beides darf nebeneinander bestehen.
Neue Traditionen schaffen
Eine der schönsten Seiten am queeren Leben ist unsere Fähigkeit, Dinge neu zu denken.
Vielleicht sieht „Weihnachten“ so aus:
- ein Brunch mit Wahl-Familie („chosen family“), mit Menschen, die dich wirklich sehen
- Karten, die nicht nur „Mama, Papa, Kinder“ darstellen, sondern vielfältige Lebensentwürfe
- ein ruhiger Abend mit deinem Partner, deiner Partnerin, deinem Partner*in – ohne Erklärungen
- ein Treffen im queeren Zentrum der Stadt oder online-Community, wo alle so sein können, wie sie sind
Traditionen sind lebendig. Sie dürfen wachsen. Und wir dürfen sie verändern.
Liebe ist kein Sonderfall
Die Botschaft, die unter all den Lichtern und Liedern liegt, ist erstaunlich einfach:
Liebe. Hoffnung. Mitgefühl.
Nirgends steht geschrieben, dass diese Botschaft nur für manche Menschen gilt.
Liebe zwischen zwei Männern.
Liebe zwischen zwei Frauen.
Liebe in trans*, nicht-binären und vielfältigen Beziehungen.
Liebe zu uns selbst — nach einem langen Weg, uns anzunehmen.
Sie alle sind Teil der Weihnachtsgeschichte des 21. Jahrhunderts.
Für alle, die dieses Jahr kämpfen
Vielleicht fühlst du dich gerade einsam.
Vielleicht ringst du noch mit deinem Coming-out.
Vielleicht vermisst du jemanden.
Vielleicht bist du erschöpft.
Falls das so ist: Du bist nicht allein.
Es gibt Gemeinschaften, Beratungsstellen, Gruppen, Foren und Menschen, die zuhören. Manchmal beginnt Zugehörigkeit mit einer einzigen Nachricht: „Hey — ist da jemand?“ Und ja: Da ist jemand.
Und falls du dieses Jahr Grenzen setzen musst – weniger Treffen, klarere Worte, mehr Schutz – dann ist das ein Akt der Selbstliebe, kein Egoismus.
Ein kleines Ritual der Selbstfürsorge
Vielleicht magst du dieses kleine, queere Weihnachtsritual ausprobieren:
- Zünde eine Kerze an (oder stell dir eine vor).
- Nenne im Stillen drei Dinge, die du in diesem Jahr geschafft hast.
- Nenne eine Person oder Community, die dir Kraft gegeben hat.
- Sprich einen Satz, der dich stärkt, z. B.:
„Ich habe das Recht, da zu sein — genau so, wie ich bin.“
Es klingt schlicht. Aber manchmal brauchen wir genau solche Momente.
Weihnachten gehört uns allen
Weihnachten kann laut sein. Es kann leise sein. Es kann traditionell oder bunt, chaotisch oder minimalistisch sein.
Für uns als LGBTQ+-Community ist es auch ein Moment, sichtbar zu sein — zärtlich, mutig, verletzlich, stolz.
Lasst uns einander erinnern:
- Unsere Geschichten zählen.
- Unsere Liebe ist real.
- Unsere Zukunft ist möglich.
Ob du dieses Jahr mit Familie, mit Freund*innen, mit deiner Wahl-Familie oder ganz für dich feierst: Ich wünsche dir Licht, Sicherheit, Menschen, die dich respektieren — und ein bisschen Magie.
Frohe, queere Weihnachten. 🏳️🌈✨

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